Beschämender Umgang mit unseren Soldatinnen und Soldaten!

Ein Kommentar von Stefan Berger für die Freien Demokraten
aus Bad Nenndorf

21.08.2021 – Was unsere Demokratie in diesen Tagen ertragen muss, ist unbeschreiblich. Der Hamburger Bijan Tavassoli freute sich auf Twitter offenkundig über den Tod von Bundeswehrsoldaten und beglückwünschte die Taliban zu diesen „Erfolgen“. Jetzt ist Herr Tavassoli nicht irgendein verwirrter Mensch, sondern ein Parteifunktionär der Partei DieLinke, der von Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes gewählt werden möchte. Zudem sind Herrn Tavassolis Aussagen zwar in ihrem Extremismus erschreckend, aber dennoch symptomatisch für den geringschätzenden Umgang unseres Landes mit seinen Streitkräften. Entsprechend verhalten fielen die Reaktionen aller anderen Parteien auf Tavassolis Aussagen aus, was mich zutiefst beschämt.

Wir haben eine Parlamentsarmee, die von uns – mehrheitlich beschlossen – in einen Krieg geschickt wurde und 37 unserer Soldaten fanden am Hindukush den Tod. Keiner der Soldaten ist aus Mordlust oder zur Befriedigung niederer Triebe nach Afghanistan gegangen. Die, die dort gestorben sind – und auch jene, die von dort versehrt und traumatisiert zurückgekehrt sind, sind unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Sportkameradin, der Nachbar, der Ehepartner oder das eigene Kind. Es ist eine Verunglimpfung aller Verstorbenen und ein Schlag ins Gesicht für alle Hinterbliebenen und uns als Gesellschaft, wenn Herr Tavassoli zu der Tötung unserer Soldaten gratuliert.

Man kann kontroverse Meinungen zum Thema Bundeswehr haben und das ist gut so. Es ist wichtig für eine demokratische Gesellschaft, sich mit unterschiedlichen Meinungen auseinanderzusetzen. Es darf aber nicht sein, dass der Tod unserer Soldaten von einem Parteifunktionär gefeiert wird ohne, dass sich die politische und zivile Gesellschaft dem entschieden entgegenstellt. Es müsste ein Aufschrei durch die Gesellschaft gehen, der bis dato aber unerklärlicherweise ausbleibt.

Als bei den Olympischen Spielen beim Modernen Fünfkampf die deutsche Reiterin ihr Pferd nicht tierschutzgerecht behandelte, gab es im Internet einen Aufruhr sondergleichen und Klagen von Tierschutzorganisation gegen diese Missstände. Wo aber bleibt die Solidarität der politischen und zivilen Gesellschaft für unsere Soldatinnen und Soldaten gegen die unfassbaren Äußerungen von Herrn Tavassoli? Unser Wertesystem ist in bedenklicher Schieflage, wenn der – zweifelsohne tierschutzwidrigen – Behandlung eines Turnierpferdes größere Aufmerksamkeit geschenkt wird als der Verunglimpfung unserer Streitkräfte und deren Angehörigen.

Welche Motivation werden unsere Soldatinnen und Soldaten haben, wenn sie in der Heimat derart geringschätzt werden? Wir haben hier mit Wunstorf einen großen Bundeswehrstandort, der auch direkt an diesem Krieg beteiligt war und ist und sind so unmittelbar betroffen. Daher verurteilen wir Freien Demokraten die Aussagen von Herrn Tavassoli und die damit einhergehende gesellschaftliche Verunglimpfung unserer Streitkräfte auf das Schärfste und danken unseren Soldatinnen und Soldaten, die unser aller Freiheit im Zweifel mit ihrem Leben verteidigen